Roboter und Drohnen: Autonome Inspektion kritischer Infrastrukturen

Strommasten, Pipelines, Tunnel, Energieinfrastruktur und Industrieanlagen können schwer zugänglich sein, da sie sich in beengten Räumen oder in Umgebungen befinden, die für den Zutritt von Menschen zu gefährlich oder zu komplex sind.

Insbesondere bei kritischen Infrastrukturen kann ein Vorfall Produktionsausfälle, Zeitaufwand für die Untersuchung, Mehrarbeit, Stillstände, rechtliche Haftung, Strafen und erhebliche Reputationsschäden zur Folge haben. Eine aktuelle Analyse verdeutlicht diese Dynamik: Die Reduzierung präventiver Ausgaben beseitigt die Kosten nicht, sondern verschiebt sie lediglich auf einen späteren Zeitpunkt, der deutlich schwerer zu kontrollieren ist.

Hier können autonome Systeme – in Form von Robotern und Drohnen – ein neues Inspektionsmodell bieten, das in der Lage ist, das Risiko für Menschen zu verringern, ohne dabei die Notwendigkeit einer strengen Überwachung zu vernachlässigen.

Drohnenpatrouille: Augen aus der Luft

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Unbemannte Systeme erweisen sich in diesem Bereich als zunehmend praktikable Option. Frühe autonome Inspektionsgeräte haben sich zu modernen Patrouillendrohnen weiterentwickelt, die sich an dynamische Umgebungen anpassen können. Bei instabilen Bedingungen, Hindernissen oder der Notwendigkeit, ein bestimmtes Element genauer zu untersuchen, erfassen diese Systeme hochpräzise und detaillierte Informationen über den Zustand einer Anlage. Eine Standardkamera liefert hochauflösende Bilder und erkennt sichtbare Schäden, zusätzliche Sensoren können jedoch verborgene Informationen aufdecken oder sogar potenzielle Schwachstellen frühzeitig erkennen.

Die Wärmebildtechnik erkennt beispielsweise Temperaturunterschiede und lokalisiert Hotspots, die auf Anomalien hinweisen, bevor diese bei einer herkömmlichen Inspektion sichtbar werden. LiDAR nutzt Laserimpulse, um Entfernungen zu messen und dreidimensionale Darstellungen der Umgebung zu erstellen. Das ist besonders nützlich, um die Geometrie einer Struktur zu verstehen, Veränderungen im Zeitverlauf zu erfassen oder digitale Modelle zu generieren. Das britische Unternehmen National Grid kombiniert diese Technologie mit Photogrammetrie, um 3D-Modelle seiner Anlagen zu erstellen und kann mithilfe von Wärmesensoren Hotspots in seinem gesamten Netz lokalisieren. Dadurch hat das Unternehmen bereits einen Teil der Inspektion seiner 21.900 Stahl-Strommasten automatisiert und erzielt jährliche Einsparungen von rund 630.000 £ sowie eine deutliche Reduzierung des Hubschraubereinsatzes.

Multispektrale Sensoren erweitern diese Möglichkeiten zusätzlich, indem sie Daten in verschiedenen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums erfassen. In Kombination mit KI-Modellen ermöglicht diese Technologie eine umfassendere Zustandsbewertung, die über einfache Fotos hinausgeht.

Terrestrische Robotik: Dorthin vordringen, wo Drohnen nicht hinkommen

Drohnen bieten zwar leistungsstarke Beobachtungsmöglichkeiten, sind aber nicht für jede Situation geeignet. In Innenräumen, Tunneln, Galerien und Räumen mit niedrigen Decken oder physischen Hindernissen ist ein Flug nahezu unmöglich. In solchen Umgebungen bringen Bodenroboter die Inspektion direkt zum relevanten Ort. Sie bewegen sich je nach Umgebungsbedingungen auf Rädern – für höhere Geschwindigkeiten –, Ketten – für Stabilität auf jedem Untergrund – oder Beinen – für Bereiche mit komplexen Hindernissen – fort.

Diese Robotersysteme haben sich zu echten mobilen Inspektionsplattformen entwickelt. Sie können hochauflösende Kameras, Wärmesensoren, Gasdetektoren, Messsysteme und andere Instrumente tragen und während der Bewegung kontinuierlich Umgebungsdaten erfassen.

Die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), einer der weltweit führenden Energieproduzenten, begann im Mai 2026 mit dem Einsatz eines Taurob -Inspektionsroboters, um potenzielle Gaslecks, ungewöhnliche Hotspots und andere Risiken in ihren Kraftwerken zu identifizieren. Der für extreme Industrieumgebungen konzipierte Roboter ist mit einer Vielzahl fortschrittlicher Sensoren, 3D-LiDAR-Technologie und Wärmebildkameras mit 360-Grad-Rundumsicht ausgestattet. Die Verantwortlichen für die bevorstehenden Einsätze geben an, dass diese Roboter auch in der Lage sein werden, Industrieanlagen zu heben und zu handhaben.

In Tunneln und anderen unterirdischen Infrastrukturen ist die Kombination aus Mobilität und Wahrnehmung gleichermaßen entscheidend. Eine 2025 veröffentlichte Studie über vierbeinige Roboter zur Inspektion von Kabeltunneln untersucht, wie diese Maschinen ihre Umgebung kartieren, Hindernisse erkennen und ihre Fahrspur anpassen können, um sich in engen, schlecht beleuchteten Bereichen mit unregelmäßiger Verteilung von Rohren und Kabeln zurechtzufinden.

Die Vielseitigkeit dieser Plattformen ist wohl ihr größter Vorteil. Ein einzelner Roboter kann Echtzeit-Video mit Wärmebilddaten, Umgebungsdaten und Strukturmessungen kombinieren und diese Daten während der Fahrt an die Bediener übermitteln.

Datenintegration und umsetzbare Erkenntnisse

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Drohnen und Bodenroboter ergänzen sich im Feldeinsatz zunehmend. Der wahre Nutzen autonomer Inspektionen endet jedoch nicht mit der Landung der Drohne oder dem Abschluss der Roboterroute. Die gesammelten Datenmengen müssen in verwertbare Informationen umgewandelt werden, die tatsächlich die Entscheidungsfindung unterstützen. Der Vergleich von zu verschiedenen Zeitpunkten erfassten Daten ermöglicht es, Veränderungen zu erkennen und die Entwicklung von Anomalien zu verfolgen.

Anstatt dass ein Bediener Tausende von Bildern oder Messungen manuell auswerten muss, können KI-Modelle die Daten analysieren und Ergebnisse kennzeichnen, die von den erwarteten Mustern abweichen. Die automatisierte Analyse klassifiziert und verknüpft diese Signale und generiert Warnmeldungen basierend auf ihrer potenziellen Relevanz. So können Teams präziser bestimmen, was sofortige Aufmerksamkeit erfordert, was geplant werden sollte und was weiterhin überwacht werden kann.

Autonome Inspektionssysteme entwickeln sich so von einem Werkzeug für periodische Kontrollen zu einer permanenten Quelle für Echtzeitinformationen über den Zustand von Anlagen und Geräten. Drohnen und Roboter führen die Feldarbeit durch, Analysesysteme organisieren und kontextualisieren die Daten, und Menschen interpretieren die Ergebnisse und entscheiden über das weitere Vorgehen.

Regulatorische, betriebliche und auf Cybersicherheit bezogene Aspekte

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Autonome Systeme bringen auch neue regulatorische Herausforderungen mit sich. Drohnen, die über kritischer Infrastruktur operieren, müssen dies innerhalb des regulierten Luftraums tun und dürfen keine Gefahr für andere Luftfahrzeuge, Anlagen oder Personen darstellen. In Europa unterliegen Drohneneinsätze je nach Risikoprofil unterschiedlich strengen regulatorischen Kontrollen. Die Bewertung komplexerer Einsätze erfolgt mithilfe von Methoden wie SORA.

Eine der größten Herausforderungen ist der Betrieb außerhalb der Sichtweite des Bedieners. Dies ist eine unerlässliche Fähigkeit für die Überwachung großer Gebiete oder umfangreicher Infrastruktur. In Großbritannien arbeitet die Luftfahrtbehörde an der schrittweisen Integration dieser Fähigkeit in den regulierten Luftraum und plant, ab 2027 routinemäßige BVLOS- Flüge zu ermöglichen.

Es gibt jedoch ein weniger sichtbares, aber ebenso wichtiges Problem: den Schutz des autonomen Systems selbst. Drohnen und Roboter sind zunehmend vernetzt und automatisiert, wodurch sich ihre Angriffsfläche vergrößert. Ein Eindringen könnte die Kommunikation, Navigation, Inspektionsdaten oder sogar den Betrieb des Geräts selbst beeinträchtigen. Das US-amerikanische NIST hat diese neuen Risiken in unbemannten Systemen, die für kritische Aufgaben wie die Infrastrukturinspektion eingesetzt werden, ausdrücklich hervorgehoben.

Sicherheit muss daher von Anfang an in diese Systeme integriert werden. Dazu gehört die Kontrolle des Zugriffs und die Bereitstellung von Mechanismen, die es den Bedienern ermöglichen, die Kontrolle wiederzuerlangen, wenn ein System nicht wie vorgesehen funktioniert. Die US-amerikanische Cybersicherheitsbehörde CISA benennt die Cybersicherheit von Drohnen bereits als eine der Maßnahmen, mit denen sich die Risiken minimieren lassen, die diese Systeme für kritische Infrastrukturen darstellen können.

Autonome Maschinen werden eingesetzt, um das Risiko für Menschen zu verringern. Je wichtiger jedoch die Aufgaben sind, die sie ausführen, desto dringlicher ist es, ihre Sicherheit, Zuverlässigkeit und ständige Kontrollierbarkeit zu gewährleisten.